Ausgangslage
Nach der vorgezogenen Neuwahl 2022 wurde eine Koalitionsregierung gebildet, bestehend aus Likud, Otzma Jehudit, Noam, Ha-Ichud HaLeumi – Tkuma, Vereinigtes Thora-Judentum und Schas. Ministerpräsident wurde Benjamin Netanjahu, der das Amt bereits 1996–1999 und 2009–2021 bekleidet hatte. Die Regierung gilt als die am weitesten rechts stehende und religiöseste, die Israel je hatte.
Wegen des Gazakrieges existierte von Oktober 2023 bis Juni 2024 ein Kriegskabinett, dem auch Oppositionspolitiker angehörten.
Stand Dezember 2025 besteht das Kabinett aus den Parteien Likud, Mafdal – HaTzionut HaDatit, Otzma Jehudit und Tikwa Chadascha. Schas trat im Juli 2025 aus der Regierung aus, blieb aber Teil der Koalition.
Im Mai 2026 kündigte die Regierung eine vorgezogene Neuwahl an und reichte im Parlament einen solchen Antrag ein, der in einer ersten Lesung ohne Gegenstimmen angenommen wurde, am Ende jedoch nicht umgesetzt wurde. Die Legislaturperiode wurde somit am 17. Juli regulär beendet, und die Wahl fand turnusgemäß am 27. Oktober 2026 statt.
Das zentrale Wahlkomitee entschied im September 2026 auf Antrag der Regierungskoalition, die mehrheitlich arabischen Parteien Vereinigte Arabische Liste (Ra'am) und Vereinte Liste – bestehend aus Chadasch, Balad und Ta'al – auszuschließen, da sie angeblich Israels Existenz als jüdischen Staat ablehnen, Rassismus schüren und den bewaffneten Kampf gegen Israel – durch einen Staat oder eine Terrororganisation – unterstützen. Ein Antrag, auch die rechtsextreme Partei Otzma Jehudit auszuschließen, wurde vom Komitee abgelehnt. Das Oberste Gericht Israels kippte die Entscheidung Anfang Oktober größtenteils; den Ausschluss des Balad-Vorsitzenden Sami Abu Shehadeh hielt es jedoch aufrecht.
Israel verhängte für den Wahltag eine Abriegelung des Westjordanlands für die palästinensische Bevölkerung.
Wahlrecht
Die Wähler haben eine Stimme zur Wahl einer Liste. Die 120 Sitze werden nach dem D’Hondt-Verfahren proportional unter den Listen verteilt, die mindestens 3,25 % der Stimmen erhalten. Die der Liste zugefallenen Sitze werden ihren Kandidaten gemäß der Listenreihenfolge zugeteilt. Im Parteiregister eingetragene Parteien oder Verbunde von zwei oder mehr Parteien können eine gemeinsame Liste einreichen.
Wegen der stark zersplitterten Parteienlandschaft werden häufig gemeinsame Listen gebildet, um ein Scheitern an der Sperrklausel zu verhindern. Zwei Listen können zudem eine Listenverbindung eingehen: Ihre Stimmen werden für die Sitzverteilung zusammengezählt, sofern beide jeweils die Sperrklausel überwinden. Innerhalb der Listenverbindung werden die Sitze nach dem D’Hondt-Verfahren verteilt.
Parteien und Wahlbündnisse
Bei der Parlamentswahl treten eine Vielzahl von Parteien und Parteienbündnissen an. Im Nachfolgenden sind jene Parteien und Bündnisse aufgeführt, die von politischer Relevanz sind und in Umfragen aufgeführt werden. Dabei lassen sich vier verschiedene Blöcke bilden: Ein Block rund um die aktuelle Regierung von Ministerpräsident Netanjahu einschließlich von Parteien, die diese Koalition aktiv stützen oder zumindest für eine künftige Unterstützung in Frage kommen. Des Weiteren der Block rund um die israelischen Oppositionsparteien der Anti-Netanjahu-Allianz, angeführt von Gadi Eizenkot. Die gemeinsame Wahlliste der Reservistenpartei von Yoaz Hendel und der Neuen Wirtschaftspartei hat sich keinem dieser beiden Lager zugeordnet und bevorzugt eine lagerübergreifende Regierung. Einen weiteren Block bilden die arabischen Parteien, wobei diese sich insofern unterscheiden, als eine wie auch immer gestaltete Zusammenarbeit zwischen Ra'am und dem Anti-Netanjahu-Lager zumindest theoretisch denkbar sein könnte.
Wahlablauf
Voraussetzung für eine Teilnahme an der Wahl sind die israelische Staatsbürgerschaft und das vollendete 18. Lebensjahr, wobei selbst Verurteilte, Strafgefangene und neu eingewanderte Juden der Alija nicht von der Wahl ausgeschlossen sind. Laut Wählerverzeichnis, das sich aus dem Bevölkerungsregister ergibt, sind 7.331.981 Israelis wahlberechtigt. Am 27. Oktober 2026 werden landesweit Wahllokale errichtet, wobei Wähler mit eingeschränkter Mobilität, deren Wahllokal nicht zugänglich ist, an jedem Wahllokal wählen können, das als besonders zugängliches Wahllokal ausgewiesen ist. Zudem gibt es Wahllokale auch in ausgewiesenen Krankenhäusern, Pflegeheimen und Haftanstalten. Im Wahllokal muss ein israelisches Identitätsdokument mit Lichtbild vorgewiesen werden, wobei laut Bevölkerungs- und Einwanderungsbehörde unter Umständen auch ein abgelaufenes Dokument akzeptiert wird, solange die Person auf dem Lichtbild zweifelsfrei erkennbar ist. Die meisten Wahllokale öffnen am Wahltag um 7 Uhr morgens und schließen um 22 Uhr. In kleinen Gemeinden mit nicht mehr als 350 Wahlberechtigten sind die Wahlzeiten von 8 Uhr morgens bis 20 Uhr; diese Zeit gilt auch für Wahllokale in Krankenhäusern, Haftanstalten und Pflegeheimen.
Nach erfolgter Identitätsüberprüfung durch das Wahlkomitee erhält der Wähler einen hellblauen Umschlag, mit dem er die Wahlkabine betritt und dort in geheimer Wahl einen von 38 Zetteln entnimmt, die für jeweils eine der zu wählenden Parteienlisten steht. Dieser Zettel wird im hellblauen Umschlag versiegelt und vor dem Wahlkomitee in die Wahlurne eingeworfen. Eine Stimmabgabe wird für ungültig erklärt, wenn Zettel für verschiedene Listen sowie vier oder mehr Zettel derselben Liste im Umschlag vorgefunden werden; zwei oder drei Zettel derselben Liste werden zwar akzeptiert, zählen aber nur als eine Stimme. Stimmabgaben, die Markierungen aufweisen, die einen Wähler identifizieren könnten oder ohne bzw. in einem anderen als dem offiziellen Umschlag in die Wahlurne eingeworfen werden, sind ebenfalls ungültig. Mittels bereitgestellter Blankozettel kann ein Wähler selbst seine Liste benennen. Nachdem die Wahllokale geschlossen wurden, beginnt die Auszählung der Stimmen zur Verteilung der 120 Knesset-Sitze. Um in die Knesset einzutreten, muss die Liste einer Partei mindestens 3,25 % aller gültigen Stimmen erhalten. Listen unterhalb dieser Schwelle erhalten keine Sitze, und ihre Stimmen werden bei der Sitzverteilungsberechnung ausgeschlossen.
Mitarbeiter an Israels diplomatischen Vertretungen im Ausland und deren Familien konnten bereits am 15. und 16. Oktober 2026 ihre Stimmen in 101 Wahllokalen an 99 Standorten weltweit abgeben, wovon 4218 Menschen – das sind 86,7 % der Wahlberechtigten, Gebrauch machten. Die ersten Wahllokale an Israels Vertretungen öffneten aufgrund der Zeitzonen in Wellington und Fidschi, die letzten in San Francisco und Los Angeles. Laut einer gemeinsamen Erklärung des Außenministeriums und des Zentralen Wahlkomitees befand sich das Wahllokal mit den meisten Wahlberechtigten außerhalb Israels – über 700 – am Konsulat von New York City.
Angehörige der Israelischen Verteidigungsstreitkräfte (IDF) erhielten bereits ab 21. Oktober die Möglichkeit, an etwa 850 Wahllokalen im ganzen Land und außerhalb der israelischen Grenzen ihre Stimmen abzugeben, darunter im Gazastreifen, im Libanon, in Syrien sowie auf Kriegsschiffen. Die Wahlmöglichkeit besteht bis zum 27. Oktober, wobei Soldaten am offiziellen Wahltag auch an zivilen Wahllokalen wählen dürfen. Um eine doppelte Stimmabgabe zu verhindern, werden bei der Wahl im Feld zwei Umschläge verwendet, wovon auf einem der Name steht. Diese Namen werden dann mit dem Heimatwahllokal abgeglichen.
Eine Stimmabgabe außerhalb Israels ist nur für das diplomatische Personal und deren Familien sowie Angehörige der IDF in Einsatzgebieten möglich, da Israel als eines von nur wenigen demokratischen Ländern keine Briefwahl vorsieht. Laut Zahlen des Zentralen Statistikamts leben rund 810.000 wahlberechtigte Israelis im Ausland, wobei die US-Organisation Aid Coalition davon ausgeht, dass mehr als 50.000 davon für die Stimmabgabe nach Israel reisen werden.
Siehe auch
Liste der politischen Parteien in Israel
Politisches System Israels
Liste der Ministerpräsidenten von Israel
Wahl in Israel
