Ausbildung und Beruf
Eralps Eltern waren als Sozialisten und Gewerkschafter in der Türkei mehrfach inhaftiert. Nach dem Militärputsch im November 1980 flohen sie, während die Mutter mit Elif hochschwanger war, nach Westdeutschland. Hier erhielten sie nach zwei Jahren politisches Asyl. Eralp wuchs in München, Dortmund und ab dem 8. Lebensjahr in Hamburg-Altona auf. Ihre Mutter ist die Feministin und Publizistin Hülya Eralp, ihr Vater war Arzt.
Nach ihrem Abitur studierte Eralp von 2001 bis 2007 Rechtswissenschaften an der Universität Hamburg. Das Studium schloss sie mit dem Ersten Juristischen Staatsexamen ab. Anschließend absolvierte sie ihr juristisches Referendariat unter anderem beim Amtsgericht Hamburg, beim Hohen Flüchtlingskommissar der UN in Berlin, der Deutschen Botschaft Ottawa und einer Anwaltskanzlei für Aufenthalts- und Asylrecht. Ihre juristische Ausbildung beendete Eralp in Hamburg im Jahr 2009 mit dem Zweiten Juristischen Staatsexamen.
2010 zog Eralp nach Berlin und begann als Referentin für Rechtspolitik bei der Bundestagsfraktion der Linken im Arbeitskreis „BürgerInnenrechte und Demokratie“ zu arbeiten.
Politik
Eralp ist seit ihrer Jugend politisch aktiv, unter anderem engagierte sie sich umweltpolitisch und unterstützte Castortransport-Blockaden im Wendland. Im Jahre 2017 trat sie der Partei Die Linke bei, in der sie im Dezember 2018 auf dem 7. Landesparteitag des Berliner Landesverbandes erstmals in den Landesvorstand und im Mai 2025 auf dem 10. Landesparteitag erstmals zur stellvertretenden Landesvorsitzenden gewählt wurde. Neben dem Engagement für die Partei ist Eralp auch in Initiativen gegen Rassismus und Gentrifizierung und für ein bezahlbares Wohnen für alle aktiv. Unter anderem engagierte sie sich im migrantischen Verein Allmende e.V. und ist Mitglied in der Gewerkschaft Verdi, der Menschenrechtsorganisation Amnesty International und in der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA). Zudem war sie bis 2025 Mitglied des vom Verfassungsschutz als „linksextremistisch“ eingestuften Vereins Rote Hilfe.
Mitte 2019 gründete Eralp zusammen mit Hamze Bytyci, Ferat Koçak, Belma Bekos und anderen den bundesweiten Zusammenschluss Links*Kanax, der sich unter anderem für eine stärkere Einbindung von Parteimitgliedern mit Rassismuserfahrung einsetzt. Der Zusammenschluss setzte unter anderem die Einrichtung einer ehrenamtlichen Antidiskriminierungsstelle für Menschen durch, die Diskriminierungserfahrungen in der Partei machen. Ebenso setzten sich Eralp und ihre Kollegen für einen Diversitätsausschuss ein, der Strategien und Konzepte entwickelt, wie mehr Menschen mit Migrationsgeschichte in der Partei organisiert und angesprochen werden können.
Bei der Abgeordnetenhauswahl 2021 war Eralp Direktkandidatin im Wahlkreis Friedrichshain-Kreuzberg 2 und erhielt den aussichtsreichen Platz 7 der Linken-Landesliste. Ziel des Landesverbandes und der Vorsitzenden Katina Schubert war es unter anderem, unter den ersten zehn Listenplätzen „neue Gesichter“ zu platzieren. Als eigene Motivation für ihre Kandidatur nannte Eralp unter anderem die rechtsextremen Anschläge in Hanau 2020, da ihre politischen Themen, Antirassismus und Antidiskriminierung, stärkere politische Relevanz gewonnen hätten. Verschiedene Medien berichteten unter anderem über Eralps Haustürwahlkampf in ihrem migrantisch geprägten Wahlkreis. Bei der Wahl konnte sich Eralp jedoch mit 28,5 Prozent der Stimmen nicht gegen die grüne Kandidatin Marianne Burkert-Eulitz (38,5 Prozent) durchsetzen. Über die Landesliste zog sie dennoch ins Abgeordnetenhaus ein. Bei der Wiederholungswahl 2023 konnte Eralp ihren Sitz im Abgeordnetenhaus verteidigen.
Spitzenkandidatin für die Berliner Abgeordnetenhauswahl 2026
Im Oktober 2025 wurde Eralp durch den Landesvorstand als Spitzenkandidatin der Linken für die Abgeordnetenhauswahl 2026 nominiert.
Im Wahlkampf 2026 setzte die Berliner Linke auf die Personalisierung der Kampagne um Eralp und einen umfangreichen Haustürwahlkampf. Im Frühjahr 2026 absolvierte Eralp ein Coaching bei Morris Katz, der zuvor an der Kampagne von Zohran Mamdani in New York City mitgewirkt hatte; zugleich rückte die Partei die Mietenpolitik ins Zentrum ihres Wahlkampfs. Eine Regierungsbeteiligung knüpfte die Linke im Wahlkampf an die Umsetzung des Volksentscheids zur Vergesellschaftung großer Wohnungskonzerne, wobei Eralp diese Position öffentlich vertrat.
In der Schlussphase des Wahlkampfs warf Eralp der CDU vor, mit der Übernahme migrationspolitischer Forderungen der AfD zu deren Stärkung beizutragen. Sie kritisierte hierbei überdies, dass ein von der Berliner CDU und der Regierungskoalition angekündigter AfD-Verbotsantrag nicht eingebracht worden sei.
Ende August 2026 trat bei einer Wahlkampfveranstaltung des Neuköllner Bezirksverbands der Linken der Rapper Dahabflex auf, der in einem Lied die Zeile „Death to the IDF“ („Tod der israelischen Armee“) sang; Eralp kritisierte daraufhin den eigenen Bezirksverband und erklärte, die Verantwortlichen hätten sofort eingreifen müssen. Bei einer Diskussionsrunde der Jüdischen Gemeinde zu Berlin erklärte Eralp wenige Tage später, Antisemitismus sei ein gesamtgesellschaftliches Problem und existiere auch innerhalb der Linken; zugleich betonte sie, die große Mehrheit der Partei stehe für den Schutz jüdischen Lebens. Sie wandte sich zudem dagegen, „Rassismus und Antisemitismus gegeneinander auszuspielen“.
Spiegel-Interview im Oktober 2026
Im Oktober 2026 führte Der Spiegel ein Interview mit Elif Eralp. Im Rahmen der Autorisierung des Interviews versendete ihr Pressesprecher versehentlich ein Dokument an das Magazin, das interne Anmerkungen von Eralp und ihren Mitarbeitern enthielt. Nach Darstellung des Spiegels geht aus dem Dokument hervor, dass Eralp eine Frage nach dem VPNK-Vertreter Ibrahim Ibrahim und ihre Antwort darauf streichen lassen wollte, ihr Pressesprecher sie jedoch darauf aufmerksam machte, dass im Zuge der Autorisierung nur die Änderung von eigenen Antworten möglich sei. Sie habe die Nennung konkreter Namen aus Sorge um ihre Familie abgelehnt. Dabei verwies sie auf eine nach ihren Angaben frühere Empfehlung des Landeskriminalamts, im Zusammenhang mit organisierter Kriminalität keine konkreten Namen zu nennen. Nach einem Bericht von Politico plante Eralp wegen der Veröffentlichung des Inhalts rechtlich gegen den Spiegel vorzugehen und beim Presserat eine Beschwerde einzureichen.
Der stellvertretende Grünen-Fraktionsvorsitzende Konstantin von Notz erklärte, man müsse Verbindungen zu Terrororganisationen „politisch entschlossen angehen“. Die Grundlage hierfür sei jedoch „diese Probleme klar zu benennen“. Dass dies vorliegend nicht geschehen sei, nannte er „irritierend“. Die Berliner Grünen stellten sich dagegen hinter Eralp. Der Bundestagsvizepräsident und Linke-Politiker Bodo Ramelow kritisierte die Veröffentlichung der Äußerung. Diese sei „mehr als fragwürdig“. Es werde „ein Mensch, der sich schutzlos fühlt, und dies intern kommuniziert, gezielt verletzt – und noch schutzloser gemacht“.
Eralp erklärte nach der Veröffentlichung, sich wegen der darin wiedergegebenen privaten, internen Inhalte nicht ausführlich zu dem Bericht äußern zu wollen. Sie betonte, sich nicht einschüchtern zu lassen und als Regierende Bürgermeisterin konsequent gegen Gewalt und Terror vorgehen zu wollen.
Privates
Elif Eralp ist verheiratet und Mutter zweier Kinder. Nach eigenen Angaben wurde sie im Alter von 14 oder 15 Jahren gemeinsam mit ihrer Mutter eingebürgert und besitzt sowohl die deutsche als auch die türkische Staatsangehörigkeit.
Literatur
Elif Eralp. In: Internationales Biographisches Archiv – Personen aktuell. Nr. 38/2026 vom 15. September 2026, im Munzinger-Archiv (Artikelanfang frei abrufbar).
Weblinks
Elif Eralp auf abgeordnetenwatch.de
Website von Elif Eralp
Podcast Manypod Folge 11: Die Migrant*innenquote mit Elke Breitenbach, Elif Eralp und Gün Tank; Rosa-Luxemburg-Stiftung, Juni 2021
Elif Eralp: Teilhabe für alle. Linke Geländegewinne im Kampf um Antidiskriminierung, Zeitschrift Luxemburg, Juni 2021
