Leben
Jutta Speidel wuchs als Tochter eines Patentanwalts und einer Hausfrau in Gauting im Würmtal auf. Ihre erste Filmrolle erhielt sie mit fünfzehn Jahren als Komparsin in der dritten Folge der Serie Die Lümmel von der ersten Bank, zu deren Stammpersonal sie fortan gehörte. Es folgten Auftritte in Filmkomödien und auch in den ersten Folgen des Schulmädchen-Reports.
Nach der Mittleren Reife verließ sie 1973 das Kurt-Huber-Gymnasium in Gräfelfing, um Schauspielerin zu werden, und ließ sich an der Schauspielschule Huber-Neureuther in München drei Jahre lang ausbilden. 1974 besetzte Rainer Erler sie während ihrer Schauspielausbildung in der Hauptrolle seines Films Die letzten Ferien, was für Speidel den Durchbruch als Schauspielerin bedeutete. 1979 kam es zu einer weiteren Zusammenarbeit zwischen Erler und Speidel. In dem in den USA gedrehten Fernsehfilm Fleisch, der sich mit dem Thema Organhandel auseinandersetzt, konnte sie sich in der Hauptrolle der jungen Monica auch international etablieren.
Seitdem wirkte sie in zahlreichen Filmen und Fernsehserien mit. 1977 übernahm sie in der von Rudolf Jugert inszenierten 13-teiligen ZDF-Fernsehserie Drei sind einer zuviel als Töpferin Charlotte Müller die Serienhauptrolle und erhielt für ihre dortige schauspielerische Leistung den Bambi. An der Seite von Thomas Fritsch war sie 1989 in der elfteiligen Fernsehserie Rivalen der Rennbahn als Modedesignerin und Jockey-Ehefrau Monika Adler zu sehen. Von 1989 bis 1995 verkörperte sie in den ersten sechs Staffeln der Familienserie Forsthaus Falkenau die Nebenrolle der Baroness von Bernried. Eine weitere durchgehende Serienrolle hatte sie neben Günter Mack als Margot Sanwaldt von 1994 bis 1999 in der Fernsehserie Alle meine Töchter. In der ARD-Fernsehserie Um Himmels Willen übernahm sie von 2002 bis 2006 an der Seite von Fritz Wepper die Serienhauptrolle der Schwester Charlotte „Lotte“ Albers und war bis zur fünften Staffel in insgesamt 65 Folgen zu sehen. Die Rolle brachte ihr 2006 den Bayerischen Fernsehpreis in der Kategorie als „Beste Seriendarstellerin“ ein. Ihre Nachfolge trat Janina Hartwig als Nonne Johanna „Hanna“ Jakobi an. In der 8. Staffel hatte sie in Folge 100 einen Gastauftritt. 2012 trat sie ein letztes Mal als Schwester Lotte in dem dritten Weihnachtsspecial der Serie mit dem Titel Um Himmels Willen – Mission unmöglich in Erscheinung.
Speidel betätigt sich neben ihren Arbeiten vor der Kamera auch als Synchronsprecherin. Sie lieh unter anderem Marcia Gay Harden (Space Cowboys), Helen Hunt (Besser geht’s nicht, Was Frauen wollen) und Sean Young (Blade Runner) und der Kröte Itsche in der ARD-Verfilmung Die drei Federn von 2014 des gleichnamigen Grimmschen Märchens ihre Stimme.
Seit 2003 veröffentlicht Speidel als Autorin einige Bücher. Ihr erstes Buch Kinder schreiben für Horizont enthält von Kindern verfasste Gedanken, Geschichten und Gedichte. 2008 publizierte sie ihre schönsten Weihnachtsgeschichten. 2009, 2011, 2013 und 2014 erschienen mit Wir haben gar kein Auto…: Mit dem Rad über die Alpen, Zwei Esel auf Sardinien, Ahoi, Amore! und Wir haben doch ein Auto! vier autobiografische Werke im Ullstein Verlag, die sie zusammen mit ihrem damaligen Lebenspartner Bruno Maccallini schrieb.
Im Herbst 2022 hat sie als Walross „Waltraut“ an der siebten Staffel der Fernsehshow The Masked Singer teilgenommen und ist in der zweiten Folge ausgeschieden. Sie belegte den achten Platz.
Privates
Bei den Dreharbeiten zur Fernsehserie Drei sind einer zuviel lernte Jutta Speidel Herbert Herrmann kennen, mit dem sie von 1977 bis 1982 zusammenlebte. Von 1984 bis 1991 war sie mit dem Holzkaufmann Stefan Feuerstein verheiratet; aus der Ehe entstammt ihre jüngere Tochter Antonia, die als Opernsängerin unter ihrem bürgerlichen Namen Antonia Feuerstein und als Schauspielerin unter dem Namen Antonia Speidel auftritt. Bereits vor der Ehe war Speidel alleinerziehende Mutter; den Namen des Vaters der älteren Tochter Franziska hat sie nie genannt. Von 2003 bis 2013 war sie mit dem italienischen Schauspieler Bruno Maccallini liiert; mit ihm führte sie eine Fernbeziehung zwischen München und Rom.
Gesellschaftliches Engagement
Für obdachlose Kinder und deren Mütter gründete Speidel 1997 die Initiative Horizont e. V. Im Jahre 2003 wurde ihr für ihr Engagement der Martinsmantel der Radioredaktion des Sankt Michaelsbundes verliehen. 2005 erhielt sie das Bundesverdienstkreuz. Im Folgejahr erhielt sie den Krenkl-Preis der Münchner SPD für Zivilcourage und bürgerschaftliches Engagement. 2011 bekam sie den Bayerischen Verdienstorden und den „Prix International Pour les Enfants“ der Stiftung Otto Eckart. 2012 wurde sie mit dem Kind-Award des Kinderlachen e. V., der sich für kranke und arme Kinder in Deutschland starkmacht, für ihr Engagement ausgezeichnet.
Im Herbst 2013 unterschrieb sie als einer der ersten Unterzeichner den von Alice Schwarzer in der von ihr herausgegebenen Zeitschrift Emma initiierten Appell gegen Prostitution.
Im Februar 2023 war sie Erstunterzeichnerin der von Sahra Wagenknecht und Alice Schwarzer initiierten Petition an die Bundesregierung Manifest für Frieden, die sich im Kontext des russischen Überfalls auf die Ukraine für Diplomatie und Verhandlungen und humanitäre Hilfe ausspricht, und gegen weiter „eskalierende Waffenlieferungen“ an die Ukraine, da ein lang andauernder Krieg unzählige weitere Menschen töte und traumatisiere, sowie aus Sorge vor einer Ausweitung zu einem Dritten Weltkrieg.
Theater (Auswahl)
1976: Kabale und Liebe – Friedrich Schiller, in Berlin
1976: Elektra – Sophokles, in Berlin
1984: Hamlet – William Shakespeare, in Bad Hersfeld
1988: Die Katze auf dem heißen Blechdach – Tennessee Williams, deutschlandweit
1989: Jedermann – Hugo von Hofmannsthal, in Wien
2007–2008: Das Hohelied der Liebe, deutschland- und italienweit
2013: Verliebt, verlobt, verschwunden
2020: Lippenrot, Komödie am Bayerischen Hof
Hörbücher (Auswahl)
2006: Das Hohelied der Liebe. ISBN 978-3-939642-00-8.
2007: Gönn dir einen Stern: Himmlisches im Alltag finden. ISBN 978-3-7831-3001-0.
2010: Wir haben gar kein Auto …: Mit dem Rad über die Alpen. ISBN 978-3-8291-2342-6.
2015: Fliegst Du schon – oder überlegst Du noch. Frauenporträts. Hrsg. Claudia Lanfranconi. Bonnevoice Hörbuchverlag München, ISBN 978-3-945095-02-7
2018: Lange Liebe – Geschichten berühmter Paare. Hrsg. Antonia Meiners. Bonnevoice Hörbuchverlag München, ISBN 978-3-945095-23-2
2020: Der Salzpfad. Roman von Raynor Winn. Bonnevoice Hörbuchverlag München
Veröffentlichungen
Jutta Speidel: Kinder schreiben für Horizont. Gryphon, München 2003, ISBN 3-935192-46-0, ISBN 3-935192-55-X, ISBN 3-935192-79-7 (3 Bände).
Jutta Speidel: Die Liebe gibt mir Rückenwind., Coppenrath, 2007, ISBN 978-3-8157-7074-0.
Jutta Speidel: Meine schönsten Weihnachtsgeschichten. Herder, 2008, ISBN 978-3-451-29879-0.
Jutta Speidel, Bruno Maccallini: Wir haben gar kein Auto …: Mit dem Rad über die Alpen. Ullstein Verlag 2009, ISBN 978-3-548-37318-8.
Jutta Speidel, Bruno Maccallini: Zwei Esel auf Sardinien. Ullstein, Berlin 2011, ISBN 3-548-37409-3.
Jutta Speidel: Amaryllis, Roman, Albert-Langen-Georg-Müller-Verlag, München 2024, ISBN 978-3-7844-3700-2.
Auszeichnungen
1977: Bambi für Drei sind einer zuviel
1977: Bravo Otto in Gold
1978: Bravo Otto in Silber
1982: Bravo Otto in Silber
1984: Hersfeld-Preis
1989: Hersfeld-Preis
2002: Goldener Wuschel von Brisant Charity-Preis
2002: Goldene Europa
2002: Medaille „München leuchtet – Den Freunden Münchens“ in Gold
2002: Bayerische Staatsmedaille für soziale Verdienste
2003: Bayerischer Poetentaler
2003: Martinsmantel der Radioredaktion des Sankt Michaelsbundes
2005: Bundesverdienstkreuz
2006: Bayerischer Fernsehpreis (Beste Seriendarstellerin) für Um Himmels Willen
2008: Bayerische Verfassungsmedaille in Silber
2008: Krenkl-Preis der Münchner SPD für Zivilcourage und bürgerschaftliches Engagement.
2011: Bayerischer Verdienstorden
2011: „Prix International Pour les Enfants“ der Stiftung Otto Eckart
2012: Kind-Award
2013: Toni-Pfülf-Preis der SPD Bayern und der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen Bayern
2014: Finest Mercy Generation Award
2017: Medaille für besondere Verdienste um Bayern in einem Vereinten Europa
2019: Verleihung des Ehrenbürgerrechts Münchens
2021: Bayerische Verfassungsmedaille in Gold
Literatur
Hermann J. Huber: Langen Müller’s Schauspielerlexikon der Gegenwart. Deutschland. Österreich. Schweiz. Albert Langen • Georg Müller Verlag GmbH, München • Wien 1986, ISBN 3-7844-2058-3, S. 882.
Gerlinde Speidel: Langweilig war’s nie! Begebenheiten. Gryphon Verlag, München – London – New York 2006, ISBN 3-937800-57-3.
Kay Weniger: Das große Personenlexikon des Films. Die Schauspieler, Regisseure, Kameraleute, Produzenten, Komponisten, Drehbuchautoren, Filmarchitekten, Ausstatter, Kostümbildner, Cutter, Tontechniker, Maskenbildner und Special Effects Designer des 20. Jahrhunderts. Band 7: R–T. Robert Ryan – Lily Tomlin. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2001, ISBN 3-89602-340-3, S. 408 f.
Weblinks
Literatur von und über Jutta Speidel im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
Jutta Speidel bei IMDb
Jutta Speidel bei filmportal.de
Jutta Speidel in der Deutschen Synchronkartei
Offizielle Website
Jutta Speidel bei schauspielervideos.de
Horizont - wir helfen obdachlosen Kindern und Müttern! Horizont e. V.
Jutta Speidel – Ich mach’s einfach Lebenslinien BR Fernsehen

